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Lecture & Film: Die Erfinderin der Formen: Das Kino von Chantal Akerman

Am 25.Oktober beginnt unsere neue Lecture & Film-Reihe über das Werk von Chantal Akerman im Kino des Deutschen Filmmuseums Frankfurt.

Das  Werk der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman ist eine ausführliche und vielgestaltige Antwort auf die Frage, was im Kino jenseits der fast durchwegs männlichen Helden-Geschichte von Griffith bis...

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Am 25.Oktober beginnt unsere neue Lecture & Film-Reihe über das Werk von Chantal Akerman im Kino des Deutschen Filmmuseums Frankfurt.

Mit Godard wird das Kino historisch, mit Chantal Akerman fängt es neu an.

Das  Werk der belgischen Regisseurin, Installationskünstlerin und Schriftstellerin Chantal Akerman ist eine ausführliche und vielgestaltige Antwort auf die Frage, was im Kino jenseits der fast durchwegs männlichen Helden-Geschichte von Griffith bis Hitchcock noch möglich ist, als deren Erben die Nouvelle Vague sich verstand.

Akermans Filme wie „Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“, „Je Tu Il Elle“, „D’est“ oder „La captive“ sind im Kino ohne Vorbild und prägen mit ihren bahnbrechenden feministischen Sichtweisen seit ihrem Erscheinen die Ausdrucksmöglichkeiten des Films.

Internationale SpezialistInnen im Wechselspiel mit VertreterInnen der hFMA-Partnerhochschulen schaffen in der Vortragsreihe neue Zugänge zu dem umfangreichen Werk von Akerman und stellen gemeinsam die Frage nach der Möglichkeit der Erfindung neuer Formen im Kino jenseits der etablierten Kategorien.

Weggefährt*innen von Akerman wie Babette Mangolte, Eric de Kupyer und Claire Atherton, Kuratoren wie Tim Griffin und Filmwissenschaftler*innen wie Ivone Margulies, Alisa Lebow, Patricia White und Laliv Melamed befassen sich mit Akermans bedeutendem Werk.


Die Veranstaltung steht allen Interessierten und allen Studierenden des hFMA-Netzwerks offen. Die Studierenden der beteiligten Institutionen können im Rahmen der Veranstaltung Scheine erwerben.


Akermans Ästhetik der Alltagserfahrung, ihr Überschreiten der Genregrenzen zwischen Spielfilm, Dokumentarfilm und Experimentalfilm, ihr Sinn für Dauer und Zeiterfahrung jenseits der Stechuhr-Dramaturgie des herkömmlichen Spielfilms machen sie zu einer Neuerfinderin der Formen des Kinos. Zugleich ist Akerman eine Pionierin der filmischen Installation, die sie in ihren Grundzügen bereits in den 1970er Jahren durchdenkt, mehr als zwei Jahrzehnte, bevor diese Form im Kunstbetrieb dominant wird.

Als Tochter von Holocaust-Überlebenden ist Chantal Akerman zudem eine singuläre Zeitzeugin der historischen Brüche und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, und ihre Auseinandersetzung mit jüdischem Leben durchzieht ihre Filme auf vielfältige und subtil reflektierende Weise. Immer wieder umkreist Akermans Schaffen besonders die Beziehung zu ihrer Mutter und die Frage der Familienzugehörigkeit, und wie kaum einer Regisseurin vor ihr gelingt es ihr autobiographisches Material zum Stoff des Kinos zu machen.

Auch diese Lecture & Film-Reihe läuft über zwei Semester und wird durchgeführt vom Kino im Deutschen Filmmuseum und dem Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität gemeinsam mit dem Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ und dem DFG-Graduiertenkolleg „Konfigurationen des Films“ – mit Unterstützung der hFMA.


Start der Reihe am Donnerstag, 25. Oktober 2018, 20 Uhr

Prof. Dr. Vinzenz Hediger (Goethe Universität Frankfurt)
Das Melodrama des kolonialen Wahns: Zu „La Folie Almayer“
Ein Merkmal von Chantal Akermans Werk besteht darin, dass sie Formen zu finden vermag, die einen Zusammenhang zwischen der Intimität der Autobiographie und der Erfahrung von Geschichte herstellen. Das gilt so auch für ihren zweitletzten Film, „La Folie Almayer“. Akerman, die Tochter polnischer Juden, die in der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht Belgien aufwuchs, nimmt „Almayer’s Folly“, den Debüt-Roman des polnischen Exilanten Joseph Conrad aus dem Jahr 1895, dem Geburtsjahr des Kinos, zum Ausgangspunkt für eine Meditation mit melodramatischen Zügen über die Abgründe des kolonialen Wahns und transponiert den historischen Stoff in eine irritierende Gegenwart.

Vinzenz Hediger ist Professor für Filmwissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, wo er das Graduiertenkolleg „Konfiguration des Films“ (www.konfigurationen-des-films.de) leitet.
Filmvorführung: Chantal Akerman, Almayer’s Folly, Frankreich 2011, 130 Minuten.

Ort: Kino des Deutschen Filmmuseums, Schaumainkai 41, Frankfurt am Main. Platzzahl beschränkt. Kartenreservierungen empfohlen unter 069 961 220-220.

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