Abbas Kiarostami (1940-2016) zählt zu den prägenden Figuren des Weltkinos. Von seinen Anfängen mit pädagogischen Filmen in den 1970er Jahren über seine stilprägenden Kinofilme der 1980er und 1990er Jahre bis zu seinen experimentellen Arbeiten im 21. Jahrhundert arbeitete der iranische Regisseur konsequent an einer Neuerfindung des Mediums.
Kiarostamis lyrischer Gestus und der forschende Blick, mit dem er die Wirklichkeit des nach-revolutionären Iran erkundet, haben die Möglichkeiten des Kinos, den poetischen Gehalt unserer Welt zu enthüllen, entscheidend erweitert. In der Lecture & Film-Reihe Die Poesie der Wirklichkeit: Die Filme von Abbas Kiarostami gehen Kenner*innen seines Werks der Frage nach, was Kiarostamis Zeitbilder uns heute zu sagen haben.
Lecture (ca. 45 Min.) am 22.1.: Golbarg Rekabtalaei (Seton Hall University)
KHANE-YE DOUST KODJAST? Wo ist das Haus meines Freundes?
Iran 1987. R: Abbas Kiarostami. D: Babek Ahmed Poor, Ahmed Ahmed Poor, Kheda Barech Defai. 83 Min. 35mm. OmU
Original version with German subtitles
Die Veranstaltung findet um 20 Uhr im Kino des DFF statt.
Ein Schuljunge will einem Kameraden im Nachbardorf ein Schulheft bringen, das er aus Versehen mit nach Hause genommen hat. Weil ihn die Erwachsenen jedoch nicht beachten und er das Haus nicht findet, erledigt er die Aufgaben, die sein Freund machen müsste, schließlich selbst, um ihm ernsthafte Konsequenzen in der Schule zu ersparen. Ein Meisterstück des filmischen Minimalismus, das mit dieser kleinen Geschichte aus dem Blickwinkel eines Kindes tiefe Einblicke in die Gesellschaft und die Alltagsbewältigung im ländlichen Iran gibt. „Der erste Teil von Abbas Kiarostamis Koker-Trilogie wurde gegen Ende des Ersten Golfkrieges (1980–1988) gedreht. Obwohl der Film im Norden des Iran spielt, der vom Konflikt weitgehend verschont geblieben war, spricht er eine universelle Menschlichkeit an, die in Kriegszeiten oft übersehen wird. Die einfache Reise eines kleinen Jungen, der seinem Freund helfen will, dient als meditative Allegorie für kollektive Solidarität und Heilung.“ (Golbarg Rekabtalaei)
Organisiert vom Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt und dem DFF. Kuratiert von Vinzenz Hediger und Daniel Fairfax. Unterstützt durch die hessische Film- und Medienakademie, Goethe-Universität Frankfurt, Verein der Freunde und Förderer der Goethe-Universität, Stiftung zur Förderung der internationalen Beziehungen.
Tickets gibt es auf der Webseite.